Das Leben mit einem Pointer

… oder zwei oder drei oder vier oder … 

 

Als ich vor einigen Jahren für eine der größten Tierschutzorganisationen Europas, das Gut Aiderbichl, gearbeitet habe, machte ich eines Tages eine für mein Leben schicksalshafte Begegnung. Auf dem Sonnenhof lernte ich „Point“ kennen. Point, auch Pointi genannt, war die erste Pointer-Dame in meinem Leben, die ich bewusst wahrnahm. Bislang war mir die Rasse verborgen geblieben.

Pointi in der Schüchternen Gruppe

Pointi war damals eine völlig eingeschüchterte Pointer-Dame im Alter von ca. 3 Jahren, die aus Italien kam und viel Schlimmes erlebt haben musste. Sie zeigte keinerlei Vertrauen zum Menschen, zitterte erbarmungswürdig, wenn man sich ihr auch nur näherte. An ihrer Seite ein weiterer Pointer – ihr fast zum Verwechseln ähnlich: Basti. Ein damals ca. 9-jähriger Pointer, der ursprünglich aus Spanien kommend, einfach nicht die für ihn richtige Familie finden konnte. Basti hatte sich Pointi angenommen und teilte mit ihr ein Körbchen. Die beiden waren unzertrennlich. Pointi war vom ersten Moment an trotz ihrer Panik ein sehr starker Charakter. Sie konnte unglaublich stur, aber auch unheimlich loyal sein. Was sie nicht wollte, wollte sie nicht und will sie auch heute noch nicht. Sie schaffte es, tagelang nicht zu fressen und alles den anderen Hunden zu überlassen oder sich ihr Geschäft bis zu 24 Stunden zu verkneifen. Ich beschloss, eine „Schüchternen-Gruppe“ zu eröffnen und nahm Pointi mit dazu. Es schien ihr zu gefallen, unter „Gleichgesinnten“ zu sein. Bis sie einige Tage später das Interesse der Rüden so stark auf sich zog, dass es mir bei einer angeblich kastrierten Hündin doch sehr komisch vorkam. Spätestens als sich einer der Rüden im Anflug seiner Hormone beim Aufsitzen in Pointis Rücken verbiss, wusste ich, dass etwas nicht stimmen konnte und nahm Pointi nicht nur aus der Gruppe, sondern mit in meine auf dem Gut befindliche Wohnung.

Fortan verbrachte Pointi die nächsten drei Wochen auf meinem Kopfkissen und weigerte sich, meine Wohnung und geschweige denn mein Kopfkissen, zu verlassen. Lange konnte ich meine Müdigkeit in jeder Nacht bekämpfen, aber irgendwann schlief auch ich ein und genau diese Momente nutzte Pointi, um einen kleinen Streifzug durch mein Appartement zu machen und sich zu lösen.

Pointi auf Gut Aiderbichl

Pointi auf Gut Aiderbichl

Es war ein sehr langer und steiniger Weg, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Als ich sie in die Tierklinik brachte, um die Kastration zu überprüfen und festgestellt wurde, dass in Italien gepfuscht wurde und Teile der Eierstöcke und des Eileiters zurückgeblieben waren, musste sie erneut operiert werden. Die Tätowierung an ihrer Gesäugeleiste kann sich bis heute keiner erklären.

Es war mir damals unheimlich wichtig, dabei zu sein, wenn Pointi aus der Narkose aufwachen würde, und tatsächlich war dies spätestens der Zeitpunkt, ab dem Pointi und mich ein unsichtbares Band miteinander verband. Sie wedelte zum ersten Mal freudig mit ihrem Schwanz, als sie ihre Augen nach der Narkose öffnete und mich sah. Sie konnte es gar nicht erwarten, endlich in das Auto einzusteigen und mit mir kommen zu dürfen…

Pointi und ich sind noch heute unzertrennlich. Meine Liebe zu Pointern ist seither ungebrochen.

 

Ein halbes Jahr später trat ein weiterer Pointer in mein Leben: Zouzou.
Als Michael Aufhauser die Pointer-Dame aus Griechenland mit nach Salzburg brachte, konnte sie nicht laufen. Ihre Wirbelsäule war zweimal gebrochen und sie war querschnittsgelähmt. Auf einer Küstenstraße aus einem Auto geworfen und von dem nachfolgenden Fahrzeug überfahren, rettete sich Zouzou mit letzter Kraft in das nahegelegene, eiskalte Meer, um die Schmerzen besser ertragen zu können.

In Griechenland stieß die behandelnde Tierärztin, die Zouzou auch privat bei sich pflegte, nach einigen Monaten an ihre persönlichen und veterinärmedizinischen Grenzen und suchte für Zouzou nach einem Gnadenplatz. Den fand sie auf Gut Aiderbichl in Österreich. An eine Genesung oder gar Heilung und an die Möglichkeit, dass Zouzou eines Tages wieder wie andere Pointer gehen, laufen und rennen können würde, glaubte damals kaum einer.

Doch Zouzou war schon immer eine Kämpferin. Nur ihrem Willen hat sie es zu verdanken, dass sie heute noch lebt. Nur ihrem Kampfgeist hat sie es zu verdanken, dass sie nach etlichen Wochen der Physiotherapie mit mir (ich habe mir die Grundkenntnisse über YouTube-Videos angeeignet, da ich von dem Bereich keinerlei Ahnung hatte) wieder laufen konnte. Und zwar auf allen Vieren. Sie lief langsam aber stetig Treppen, stakste noch etwas in der Welt herum, aber all das spornte sie an, sich noch mehr anzustrengen und es zu schaffen. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass Zouzou bei Pointi und mir bleiben durfte, denn die Ähnlichkeit zwischen den beiden ist verblüffend: Pointi ist schwarz-weiß und Zouzou orange-weiß – beides Englische Pointer. Heute ist Zouzou die schnellste im Rudel, und nur wenn man ganz genau hinsieht und darauf achtet, sieht man noch einen leichten tippelnden Gang auf der Hinterhand und einen kleinen Tremor der Nerven im Lendenwirbelbereich. Sie sollten Zouzou kennenlernen – von ihr können wir alle noch viel lernen!

Pointi und Zouzou mit mir auf Gut Aiderbichl

Pointi und Zouzou mit mir auf Gut Aiderbichl

Nun waren wir schon zu Dritt und es klappte ganz prima mit uns. Wir waren und sind bis heute unzertrennlich – die beiden durften rund um die Uhr mit mir zusammen sein – mich auf Reisen begleiten, im Büro gemeinsam in ihrem großen Hundekörbchen unter dem Schreibtisch liegen und natürlich viel auf den großen eingezäunten Hundewiesen von Gut Aiderbichl herumtoben. Beide lernten in den darauf folgenden Jahren sehr viel, profitierten stark voneinander und geben sich noch heute gegenseitigen Halt.

 

Pointi, Zouzou und Basti

Pointi, Zouzou und Basti

 

Basti wurde fast zeitgleich zu Zouzous Ankunft von meinen Eltern adoptiert. Er lebte noch zwei wunderschöne Jahre bei ihnen und konnte so auch Pointi immer wieder sehen.

Wenn man wie ich mit zwei Pointern zusammenlebt, interessiert man sich irgendwann auch für die Herkunft und Geschichte der Rasse, für andere Pointer auf der Welt und für den Blick „hinter die Fassade eines Pointers“. Denn ich hätte es nicht schöner ausdrücken können:

 

 

 

Die Hunde sind lebhaft, ausdrucksstark und nie überheblich. Sie bestechen durch ihre heitere und herzliche Art.

Trotz des kräftigen Körperbaus sind Pointer sehr elegante Hunde.

Christiane Neuser

 

Was ich bei meiner Recherche im Laufe der Jahre herausfand, können Sie in der Rubrik „Der Pointer“ nachlesen.

Aus diesem Grund entschied ich mich, den Verein zu gründen. Und bei all den Pointern, die mir seitdem begegnet sind, ist immer mal wieder ein „Herzens-Pointer“ dabei, der mich ganz tief in meinem Herzen berührt. So wie unsere dreibeinige Pointer-Mischlingshündin Zaki (ca. 1 ½ Jahre alt), die wir von Zypern bei uns aufgenommen haben oder auch die Deutsch Kurzhaar (Deutscher Pointer) Hündin Cindy Lauper (9 Monate und mitten in der Pubertät), ebenfalls aus Zypern, die in der Zwischenzeit unserer Rudel komplettieren.

Cindy Lauper

Cindy Lauper

Zaki

Zaki

Ich kann diese Rasse aus eigener Erfahrung nur empfehlen!

Obwohl diese wunderbaren Hunde zumeist sehr wenig Menschenkontakt hatten, bauen sie recht schnell Vertrauen auf und freuen sich unendlich über jede noch so kleine Aufmerksamkeit.

Es gibt wohl kaum eine Hunderasse, die sensibler und feinfühliger, einfühlsamer und sanfter ist, als ein Pointer.
Diese sanften, liebevollen Hunde schleichen sich mit ihrem unwiderstehlichen Charme in ihr Herz. Für immer…

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Pointer-Freunde e.V.